November 2021 / WAZ: „Junge leiden unter Pandemiefolgen“

Von Nikos Kimerlis / WAZ Gelsenkirchen, 5. November 2021

Orthopäde Mirko Kuhn.

Die Corona-Zeit hat Kinder und Jugendliche stark belastet. Orthopäde Mirko Kuhn berichtet von teils gravierenden körperlichen Folgen. Sein Rat: dem Bewegungsmangel wieder mehr Aktivität entgegensetzen

Die Corona-Pandemie hat den Alltag vieler Kinder durcheinandergewirbelt. So wurden nach dem Report der DAK-Gesundheit 2020 in den Krankenhäusern 60 Prozent mehr Mädchen und Jungen aufgrund einer Adipositas behandelt als im Vorjahr.

Auch bei starkem Untergewicht sowie Magersucht und Bulimie nahmen die Zahlen zu. Eine ähnliche Entwicklung hat auch der Gelsenkirchener Orthopäde Mirko Kuhn beobachtet. „Es ist auffällig, dass viele junge Patienten Überlastungsprobleme haben“, sagt Mirko Kuhn. Der Orthopäde führt das darauf zurück, dass den Heranwachsenden die Bewegungsmöglichkeiten wegbrachen, als das öffentliche Leben durch Lockdowns und weitere Schutzmaßnahmen wie dem Verbot von Vereinssport zum Erliegen kam.

Übergewicht oder Anorexie (Magersucht) sehe er jetzt öfter. „Bei vielen Kindern, die zu uns kommen, sind außerdem die Muskeln defizitär ausgebildet“, berichtet Mirko Kuhn. Haltungs- und Fehlstellungen seien die Folge. Als neuralgische Zonen hat der Gelsenkirchener Arzt insbesondere den Rumpf und den unteren Rücken (viel Sitzen) ausgemacht.

Kuhn nennt auch Zahlen. Der Gelsenkirchener Orthopäde behandelt gut 3000 Patientinnen und Patienten im Quartal, davon sind 20 Prozent unter 18 Jahre alt. „Die Hälfte dieser Mädchen und Jungen haben solche derartige Defizite, also 300.“

Die Hoffnung des Orthopäden ruht nun darauf, dass sich der Alltag der jungen Menschen halbwegs wieder normalisiert, trotz steigender Corona-Zahlen und möglicherweise neuen Einschränkungen im Winter. Kuhn verweist auf die zahlreichen Angebote von Vereinen und Einrichtungen, dem Corona-Bewegungsmangel wieder mehr Aktivität entgegenzusetzen.

„Beispielsweise hat Gelsensport eine Reihe solcher Angebote im Programm“, so der Mediziner. Dem DAK-Report zufolge stieg die Zahl junger übergewichtiger Patientinnen und Patienten nach einem Absinken im Frühjahrs- Lockdown steil an. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit starkem Untergewicht nahm 2020 um 35 Prozent zu. Stationär behandelte Essstörungen wie Bulimie und Anorexie nahmen in den Lockdowns deutlich zu - im Jahresvergleich gab es einen Anstieg um zehn Prozent.